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metmuseum.org - Gift of Mrs. Bayard Verplanck, 1955

Gold chain bracelet with nine enamelled heart shaped lockets of different colours; containing the hair of Queen Victoria's children. Royal Collection Trust.

Queen Victoria’s mourning bracelet. Image courtesy of Royal Collection Trust UK.

The Collection of Elizabeth Taylor, A GOLD AND MULTI-GEM CHARM BRACELET, Christies Auction

das Bettelarmband | ein Schmuckstück mit Symbolik

Bettelarmbänder gehören zu jenen Schmuckstücken, die nicht nur unglaublich dekorativ sind, sondern ebenso Geschichten erzählen. Jedes einzelne Anhängsel – ein sogenannter „Charm“ – kann eine Erinnerung, ein Ereignis oder eine Person symbolisieren. Über Jahrtausende hinweg wandelte sich die Bedeutung der sogenannten Bettelarmbänder: von magischen Schutzamu­letten zu persönlichen Tagebüchern aus Gold und Silber.

Ursprünge in der Frühgeschichte

Die Idee, kleine Anhänger am Körper zu tragen, ist schon sehr alt. Bereits in der Vorgeschichte trugen Menschen kleine Objekte aus Muscheln, Knochen oder Stein an Ketten oder Bändern. Diese frühen Anhänger sollten Schutz vor bösen Kräften bieten oder Glück bringen. Archäologische Funde zeigen, dass solche Anhänger bereits vor Zehntausenden Jahren existierten. 

Charms in der Antike

Besonders im alten Ägypten entwickelten sich Charms zu wichtigen Bestandteilen religiöser Schmuckstücke. Pharaonen und andere Angehörige der Elite trugen kleine Amulette mit Symbolen der Götter. Sie sollten den Träger nicht nur im Leben schützen, sondern auch im Jenseits begleiten. 

  • Klassische Motive dieser Zeit waren beispielsweise:
  • der Skarabäus als Symbol der Wiedergeburt
  • das Auge des Horus als Schutzzeichen
  • kleine Tierfiguren oder Gottheitssymbole

Auch im Römischen Reich waren diese Art der Anhänger verbreitet. Soldaten trugen Talismane für Glück im Kampf, während religiöse Gruppen kleine Symbole nutzten, um ihre Zugehörigkeit zu zeigen. Der sogenannte Ichthys-Fisch zum Beispiel war eines der wichtigsten Erkennungszeichen der frühen Christen. Das Wort ist ein Akronym für „Iesous Christos Theou Hyios Soter“ – „Jesus Christus, Gottes Sohn, Erlöser“. In den ersten Jahrhunderten des Christentums nutzten Christen dieses Symbol, um sich gegenseitig zu erkennen, besonders in Zeiten von Verfolgung.

Archäologische Funde zeigen, dass solche Symbole nicht nur in Katakomben oder auf Grabsteinen auftauchten, sondern auch als kleine Amulette oder Anhänger getragen wurden.

Die entscheidende Wende: Queen Victoria

Erst im 19. Jahrhundert entwickelten sich Bettelarmbänder zu dem Schmuck, den wir heute kennen. Maßgeblich dafür soll Queen Victoria gewesen sein, eine leidenschaftliche Schmuckliebhaberin. Sie trug selbst Bettelarmbänder und machte sie unter den europäischen Adeligen zu einem modischen Accessoire.

Victoria ließ kleine Anhänger anfertigen, die ihre Familie symbolisierten. Medaillons enthielten Bilder oder Haarlocken ihrer Angehörigen. 

Ihr Ehemann Prinz Albert, schenkte ihr bei jeder Geburt eines ihrer neun Kinder einen Herzanhänger für ihr Armband.

Als Albert 1861 starb, änderte sich die Bedeutung dieser Schmuckstücke erneut. Victoria ließ sogenannte mourning charms anfertigen – Anhänger aus Jet oder Gold, Medaillons mit Porträts oder Haarlocken des Verstorbenen. Diese Trauerschmuckstücke trug sie viele Jahre lang und prägte damit eine ganze Modeepoche. 

Durch Victoria wandelte sich das Bettelarmband endgültig von einem magischen Amulett zu einem emotionalen Erinnerungsobjekt.

Das Bettelarmband als „tragbares Tagebuch“

Im frühen 20. Jahrhundert griffen große Juwelierhäuser diese Idee auf. Charms wurden immer kunstvoller gestaltet – besonders während der Jahrhundertwende und später auch des Art Déco entstanden fantasievolle Miniaturen aus Platin, Diamanten und farbigen Edelsteinen. 

Doch ihre größte Popularität erreichten Bettelarmbänder nach dem Zweiten Weltkrieg. Soldaten brachten aus verschiedenen Ländern kleine Anhänger als Souvenirs mit und schenkten sie ihren Frauen oder Freundinnen. Jede neue Reise, jedes Ereignis und jede Erinnerung konnte nun durch einen Anhänger ergänzt werden.

Hollywood und Glamour: Elizabeth Taylor

Im 20. Jahrhundert erhielt das Bettelarmband auch eine glamouröse Bühne – Hollywood. Eine der berühmtesten Trägerinnen war Elizabeth Taylor, deren legendäre Schmucksammlung zahlreiche Bettelarmbänder umfasste. 

Ihre Charms erzählten ebenfalls persönliche Geschichten. Einige Anhänger erinnerten an ihre Filmkarriere – etwa ein kleines Regieklappen-Motiv mit Bezug zu ihrem Film The Taming of the Shrew. Andere waren ihrer Familie gewidmet, etwa ein Herzanhänger mit einer Widmung an ihre Kinder oder ein Medaillon mit dem Foto ihres Vaters. 

Als Taylors Schmucknachlass 2011 bei Christie’s versteigert wurde, zeigten diese Armbänder eindrucksvoll, wie emotional solche Stücke sein können: Sie waren weniger Statussymbol als vielmehr ein persönliches Archiv ihres Lebens.

Fazit

Die Geschichte der Bettelarmbänder ist letztlich die Geschichte von Erinnerung und Identität. Von prähistorischen Schutzamu­letten über religiöse Talismane bis zu den persönlichen Schmuckstücken der viktorianischen Zeit haben die "Anhängsl" immer schon eine symbolische Bedeutung getragen.

Bis heute bleibt das Bettelarmband deshalb einzigartig: Es ist nicht nur Schmuck, sondern eine Sammlung von Erinnerungen, die am Handgelenk getragen werden.

 

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